Mit "weltwärts" nach Ruanda.
Der DED ist eine von 200 vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) anerkannten Entsendeorganisationen des Freiwilligenprogramms "weltwärts". Zielgruppe sind junge Menschen zwischen 18 und 23 Jahren, die weltoffen und entwicklungspolitisch interessiert sind. Im März 2008 begrüßte die damalige weltwärts-Koordinatorin Natalie Vanneste die ersten Freiwilligen in Ruanda. 2009 reisten über 30 weltwärts-Freiwillige nach Ruanda ein, für 2010 werden sogar knapp 40 erwartet.
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Weltwärts Zwischenseminar in Kibuye .

Am 22 Juni 2009 trafen sich sieben weltwärts-Freiwillige aus Ruanda und Burundi zu einem einwöchigen Zwischenseminar in Kibuye am Kivusee. Die Jungendlichen, alle zwischen 18 und 22 Jahre jung, tauschten fachliche und persönliche Erfahrungen aus, die sie an ihren jeweiligen Projektplätzen in den vergangenen Monaten gesammelt haben. Die Gruppe wurde von weltwärts-Koordinatorin Natalie Vanneste sowie der DED Stipendiatin Sheila Romen begleitet.
Neben Einzelgesprächen mit ihrer Mentorin wurde den Teilnehmern auch zwei volle Tage Hintergrundwissen angeboten: am ersten Tag nach ihrer Ankunft erarbeitete die Gruppe das wichtige Thema Planung, Monitoring und Evaluierung – im DED Jargon kurz „P,M&E“ genannt. Am zweiten Tag wurden die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Fokus auf die Länder Ruanda und Burundi sowie die OECD/DAC Paris Deklaration und die Accra Agenda for Action kritisch beleuchtet und diskutiert.

Der vierte Seminartag führte die Freiwilligen auf die idyllische Insel „Amahoro“. In der ruandischen Mittagshitze wurden anhand des Instruments der „kollegialen Beratung“ Herausforderungen und Erfolgserlebnisse an den jeweiligen Arbeitsplätzen der Freiwilligen diskutiert. Aileen und Amelie erzählten vom Alltag an der Grundschule in Giseniy (Ruanda), an der sie Sport und Kunst unterrichten. Marleen, die ebenfalls als Lehrkraft an einem Kindergarten und in der Grundschule in Ruhengeri (Ruanda) tätig ist, berichtete darüber, wie sie Kindern durch Basteln kreative Fähigkeiten zu vermitteln versucht. Auch Betti arbeitet in Ruhengeri für ein Krankenhaus. Da sie im Herbst zurück in Deutschland Medizin studieren möchte, konnte sie durch das weltwärts-Jahr interessante Einblicke in den Ärztealltag erhalten.

Die drei Freiwilligen aus Burundi – Philipp, Anna und Cornelius – arbeiten gemeinsam in einem Straßenkinderzentrum in Bujumbura. Sowohl für Anna als auch Cornelius geht das weltwärts-Jahr im August zu Ende. Rückblickend hat ihnen das Jahr in Afrika verdeutlicht, wie komplex Entwicklungsprozesse auf lokaler Ebene ablaufen. Cornelius hat aufgrund seiner Erfahrungen während des weltwärts-Jahres den Entschluss gefasst, nach seiner Rückkehr Wirtschafts- und Politikwissenschaften zu studieren.
Während des Seminars wurde von allen Freiwilligen bestätigt, was sich bereits im Laufe des Jahres abgezeichnet hatte: Eindrücke und Einblicke haben nicht nur ihren Blick auf Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit geschärft, sondern auch stark zum Nachdenken über die Eigen- und Fremdwahrnehmung angeregt. Konzepte wie „Toleranz“ und „Interkulturalität“ haben eine neue, facettenreichere Bedeutung gewonnen. Die Erfahrungen aus Ruanda und Burundi werden die Freiwilligen sicher noch lange nach ihrer Rückkehr nach Deutschland beschäftigen.
"Ich kann das Programm empfehlen!" .
Im Mai 2008 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen langen Artikel über das neue Freiwilligenprogramm „weltwärts“. Als Reaktion darauf interviewte die Wochenzeitung Focus kurze Zeit später den Freiwilligen Dominic Müller, Fußballtrainer im Jugendzentrum Kimisagara.
Der DED Ruanda wollte ebenfalls neu gewonnene Eindrücke von Dominic Müller erfahren.
Dominic, wieso hast Du Dich für das Programm „weltwärts“ entschieden?
Dominic: "Ich wollte schon immer mal für längere Zeit nach Afrika, allerdings nicht als Tourist. Ich wollte dort leben, aber dafür hatte ich nicht das Geld."
Wie sieht Dein bisheriger Werdegang aus?
Dominic: "Ich habe eine Ausbildung zum Verwaltungswirt begonnen aber wieder abgebrochen. Nach dem Jahr in Ruanda möchte ich Soziale Arbeit studieren."
Was hast Du bereits in Ruanda gelernt?
Dominic: "Was das Praktische anbelangt, so kennen ich nun den Organisationsaufbau von Festivals. Außerdem verstehe ich allgemein die Arbeit von Organisationen besser, vor allem, dass zivilgesellschaftliche Organisationen von Ministerien abhängig sind. Und mein Französisch wird von Tag zu Tag besser. Ansonsten habe ich gelernt, Ruhe zu bewahren."
Würdest Du das Programm „weltwärts“ empfehlen?
Dominic: "Ja. Allerdings nur denen, die tatsächlich bereit sind, ein Jahr im Ausland zu leben. Man muss das wirklich wollen, außerdem muss man Geduld und Engagement mitbringen. Auf jeden Fall muss man selbständig sein und eine große Lernbereitschaft mitbringen."
Interview: Sabrina Schirmer
Und was sagen die ruandischen Partner? .
Katharina Schreiner und ihr ruandischer Chef Céléstin
Céléstin ist Generalsekretär des nationalen paralympischen Komitees und Chef von Katharina Schreiner.
Céléstin, kannst Du Katharinas Arbeit kurz beschreiben?
Céléstin: „Katharina produziert Filme um die ruandische Öffentlichkeit auf behinderte Menschen zu sensibilisieren. Am Anfang haben wir einen Dreimonatsplan für sie erstellt. Wir hatten lange Zeit Schwierigkeiten, unsere Tätigkeiten an die Öffentlichkeit zu bringen; Katharina kann uns bei dieser Aufgabe behilflich sein.“
Hattest Du Bedenken, mit einer Nicht-Ruanderin zusammenzuarbeiten?
Céléstin: „Nein, überhaupt nicht. Wir sind es hier gewöhnt, mit Europäern zu arbeiten. Deshalb haben wir auch keine Vorurteile.“
Wie würdest Du Ihre Arbeitssituation beschreiben?
Céléstin: „Wir haben alles gemacht, um Katharinas Arbeitsplatz so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir haben Computer und Programme angeschafft, um Ihr die Arbeit zu erleichtern. Katharina gibt sich viel Mühe. Sie kommt immer pünktlich zur Arbeit und ihr Französisch hat sich auch schon verbessert.“
Welche Schwierigkeiten gibt es im Moment?
Céléstin: „Katharinas Arbeit zu evaluieren ist nicht ganz einfach, weil man beim Produzieren von Filmen schlecht feststellen kann, wie weit man ist.“
Wie gefällt Dir das „weltwärts“-Programm bisher?
Céléstin: „Das Programm ist genial für uns; wir hoffen, dass wir am Ende einen Film über unsere Arbeit erhalten. So können wir auch Nicht-Behinderten „Sitzball“ [Ein dem Volleyball ähnliches Spiel, welches allerdings im Sitzen gespielt wird] nahebringen. Außerdem bekommen wir bald einen zweiten Freiwilligen, auf den wir uns schon freuen.“
Interview: Sabrina Schirmer
Als Freiwillige im Krankenhaus .
Christina Hartwich, Freiwillige, mittlerweile seit über 2 Monaten im Land, arbeitet in einem Krankenhaus in der Nähe von Kigali
Christina, was sind Deine Aufgaben im Krankenhaus?
Christina: "Meine Arbeit besteht zur einen Hälfte aus administrativen Aufgaben, zur anderen Hälfte arbeite ich direkt im Krankenhaus mit. In den ersten Wochen habe ich alle Stationen durchlaufen. Mittlerweile nehme ich Impfungen vor."
Schluckimpfungen?
Christina: "Nein, das mache ich mit der Spritze."
Und, weißt Du denn, wie das geht?
Christina: "Die Ärzte und Krankenschwestern haben mir gezeigt, wo ich reinstechen muss; mittlerweile klappt das ganz gut."
Was kannst Du aus Deiner Arbeit hier für Dein künftiges Medizinstudium mitnehmen?
Christina: "Ich sehe viel, natürlich kann das auch eine Abschreckung sein, aber im Moment ermuntert es mich eher, ein Medizinstudium anzufangen. Und ich bin froh, dass es in Deutschland bessere Schmerzmittel gibt. Am Anfang haben mich die Schmerzensschreie fertig gemacht. Am Ende eines Tages bin ich auch selbst ganz schön mitgenommen. Abgesehen davon lerne ich auch, mit Patienten umzugehen."
Findest Du Deine Arbeit sinnvoll?
Christina: "Ja. Die Büroarbeit ist zwar stupide, aber auf jeden Fall wichtig. Ich hoffe jedoch, dass ich im Krankenhaus keine Zusatzarbeit für die Angestellten darstelle, da sie mir ja immer alles erst erklären müssen."
Was war bisher besonders spannend?
Christina: "Als vor ein paar Wochen deutsche Ärzte da waren, durfte ich bei einer Augenoperation zusehen."
Interview: Sabrina Schirmer
Normaler Arbeitstag? Gibt´s hier nicht! .
Katharina Schreiner und Christina Hartwich beim Besuch des Paralympischen Komitees
Katharina Schreiner ist Freiwillige des neuen Programms „weltwärts“ und mittlerweile seit fünf Wochen in Ruanda. Sie arbeitet beim nationalen paralympischen Komitee in Kigali und ist damit beauftragt, Filme über den Behindertensport zu erstellen.
Katharina, wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Dir aus?
Katharina Schreiner: "Oh, so etwas gibt es bei mir nicht; jeder Tag ist vollkommen anders. Auch jede Woche war bisher anders. Am Anfang habe ich alles gezeigt bekommen, in der zweiten Woche habe ich die Steckbriefe der Spieler digitalisiert und in der dritten Woche habe ich mit meiner eigentlichen Arbeit angefangen."
Und was genau ist Deine eigentliche Arbeit?
Katharina: "Ich produziere Lehrfilme für den Behindertensportverband. Von der Konzeption über das Filmen und Schnitt mache ich alles selbst. Ziel ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Die Filme werden dann anschließend in Schulen vielleicht aber auch außerhalb Ruandas gezeigt."
Du bist die jüngste im ruandischen Freiwilligendienst, Du hast vor 6 Wochen erst Abitur gemacht. Wie kommt es, dass Du über die Filmproduktion so gut Bescheid weißt?
Katharina: "Ich war Mitglied im offenen Kanal in meiner Heimatstadt; da habe ich eigentlich alles gelernt."
Macht Dir Deine Arbeit Spass?
Katharina: "Ja, sehr. Ich mache eigentlich alles in Alleinarbeit und ich finde es sehr gut, Verantwortung übertragen zu bekommen. Auch von meinen Kollegen wurde ich gut aufgenommen, ich verbringe auch gerne meine Freizeit mit ihnen. Es imponiert mir, dass sie so motiviert sind und die Organisation klappt auch gut. Abgesehen davon verliere ich langsam meinen Pünktlichkeitssinn."
Was würdest Du gerne verändert haben?
Katharina: "Ich hätte gerne warmes Wasser in der Dusche!"
Interview: Sabrina Schirmer

